Nachdem ich mit der "Throne of Glass-Reihe" angefangen hatte und mich diese wirklich positiv überraschte, schaute ich natürlich, ob es von Sarah J. Maas noch andere Romane gibt. Und ja, die gibt es und sie schreibt fleißig weiter. ABER (und das schreibe ich gerade sehr bewusst in Großbuchstaben), ich finde die deutschen Cover für mich mehr als nur abschreckend kitschig UND die Bücher stehen in den Buchhandlungen bei den Romanen für Jugendliche ab 14...
Ganz ehrlich: Aus diesen zwei Gründen wollte ich mir diese Reihe auf keinen Fall antun. Das sah mir doch zu sehr nach Prinzessinnen-Gedöns aus.
Als ich aber mit den vorhandenen Romanen der "Throne of Glass-Reihe" durch war und mich mit der Zeit doch die Neugierde packte, was die Autorin wohl noch so drauf hatte, schaute ich mich bei der Online-Bibliothek um und wurde glatt fündig. OK, kostet nix, ich kann es auf das Tablet laden und wieder beim Sport lesen. Gedacht, getan.
Bevor ich mich jetzt über den Inhalt auslasse, gleich Vorab: DIESE REIHE HAT NICHTS IN DER ABTEILUNG FÜR JUGENDBÜCHER AB 14 ZU SUCHEN!!! Und auch dies schreibe ich gerade bewusst in Großbuchstaben.
Sicherlich ist der Anfang noch harmlos und banal... ok, böse Fabelwesen die Böses tun und ganz unblutig ist es nicht... für manch ein zartes Gemüt dürfte auch das schon zu viel sein. Aber, was die Reihe definitiv als eine Reihe für junge Erwachsene (und jung gebliebene ältere Erwachsene) ausmacht ist die Tatsache, dass die beschriebenen zwischenmenschlichen Körperlichkeiten für 14-jährige völlig unerfahrene Teenager deutlich zu erwachsen sind! Mag sein, dass die Jugend früh reif ist und so etwas durchaus auch mal gerne lesen möchte. In einer Buchhandlung sind diese Bücher jedoch an dieser Stelle völlig fehl am Platz und ich frage mich, ob die BuchhändlerInnen überhaupt wissen, dass man vom (deutschen) Cover nicht unbedingt auf den Inhalt schließen kann. Und es ist in dieser Hinsicht auch in keinster Weise mit der "Throne of Glass-Reihe" zu vergleichen, auch wenn es von der selben Autorin stammt.
Aber genug davon. Jetzt zum Inhalt, warum ich alle drei Bücher doch noch gelesen hatte und mir letztendlich den schönen Schuber mit allen drei Bänden auf Englisch gönnte.
Im Grunde könnte ich mich sehr kurz fassen: Sarah J. Maas bediente sich der Disney Adaption von "Die Schöne und das Biest" und machte daraus eine eigene Geschichte. Aber, es ist mehr als das. Ja, vieles erinnert in gewisser Weise an manch eine Märchenwelt und die Fae sind zwischenzeitlich in ganz vielen Romanen von unterschiedlichen AutorInnen anzutreffen. Trotzdem finde ich die Geschichte interessant und spannend.
Das erste Buch plätschert erst mal vor sich hin. Es ist nicht so, dass ich mich durchbeißen musste, um zu dem Teil zu kommen, wo es dann mit der Action los geht. Es war jedoch durchaus so, dass ich keine Probleme damit hatte, das Buch nach 2-3 gelesenen Kapiteln aus der Hand zu legen. Arme Schöne wird vom schönen Bösen in sein Reich "entführt", wo sie fortan leben muss und - keiner hätte es geahnt - sie sich letztendlich in den schönen Bösen unsterblich verliebt.
Klingt spannend und völlig überraschend, oder nicht?
Ich gebe es zu, irgendwann kommt der Teil, wo man die Bücher tatsächlich nicht mehr aus der Hand legen kann. Klar, manch ein Verlauf in der Geschichte ist nicht ganz so überraschend. Aber, der Weg ist das Ziel und der Weg ist durchaus sehr spannend und abwechslungsreich geschrieben. Spätestens ab dem letzten Viertel des ersten Buches wird es problematisch, sich vom Lesen los zu reißen und sich den sonstigen Notwendigkeiten und Verpflichtungen des Alltags zu widmen. Da Band 2 und 3 nochmal an Umfang zugenommen haben, hat man es doch mit einigen Stunden Lesematerial zu tun.
Und jetzt komme ich zum eigentlichen I-Tüpfelchen der Romane: Ich liebe den verbalen Schlagabtausch zwischen all den Charakteren. Ja, das kann Sarah J. Maas. Auch in ihrer "Throne of Glass" Reihe ist dies zu finden, aber in der "Court of…" Reihe legt sie nochmal eine Schippe drauf. Dies war letztendlich einer der Hauptgründe, warum ich diese Bücher nicht mehr beim Sport weiter las. Man kommt sich doch ein wenig dämlich vor, breit grinsend, glucksend oder gar laut lachend zwischen lauter schwitzenden Leuten auf dem Rad zu sitzen...
Das ist jedoch nicht alles, was die Bücher aus macht. Wie gesagt, ahnt man sicherlich, wie sich die Beziehung zwischen bestimmten Charakteren entwickeln könnte. Aber man weiß nie so richtig, wann und wie es geschehen wird. Und ob es tatsächlich geschehen wird. Manches bleibt bis zum Ende des dritten Buches offen. Klar, die Geschichte wird weiter gehen. Aber es werden andere Geschichten sein, welche die offenen Enden zum Abschluss bringen. Oder evtl. nicht? Hmmm… ein richtiges Happy End ist bei SJM nicht garantiert.
Man fühlt mit den Charakteren mit. Man kann sich regelrecht in sie hinein versetzen. Mal mehr, mal weniger. Man will wissen, wie es weiter geht. Ob es so weiter geht, wie man denkt... und dann WAS?! Häh?! Alles wird plötzlich auf den Kopf gestellt und es kommt doch noch anders, als gedacht.
Aber, jetzt sollte ich langsam doch mal zum Ende kommen. Ich würde nicht sagen, dass die Reihe von A-Z der absolute Hammer ist. Es gibt durchaus ein paar Schwächen und Stellen, die ich nicht unbedingt bräuchte. Aber, unterm Strich haben mich alle drei Romane sehr gut unterhalten, wobei Band 2 mein bisheriger Favorit ist.


